Noten (c) PlS

FÜNF LANDSCHAFTEN
nach Gedichten von Georg Heym (2013)
für Bass und Klavier

Auftragswerk des Bundeswettbewerb Gesang Berlin

UA: 01.12.2014, Deutsche Oper Berlin
Dauer: ca. 14 Minuten
Besetzung: Bass, Klavier

Besetzung der Uraufführung:
Ingo Witzke - Bass
Alevtina Sagitullina - Klavier


INHALT

Träumerei in Hellblau

Alle [Landschaften] haben
Sich mit Blau gefüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.

Blaue Länder der Wolken,
Weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels in Fernen
Zergehen in Wind und Licht.

Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.

Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht.
Manche flüstern, und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

Sommernachmittag

(Berlin IV)

Das Wasser schwindet schnell auf dem Asphalt.
Warm steigt sein Dunst zum Himmel, dem verblaßten.
Aus Käsekellern quillt's, und aus den Kasten
Der Blumenläden, wie ein Traum vom Wald.

Es werfen Schatten kaum die kleinen Kronen
Der staubbezogenen Bäume auf die Fliesen.
Und allenthalben sieht man die Markisen,
Weiß, rot und braun auf schlafenden Balkonen.

Die Stadt

Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein
Zerreißet vor des Mondes Untergang.
Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang.
Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.

Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt,
Unzählig Menschen schwemmen aus und ein.
Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein
Eintönig kommt heraus in Stille matt.

Gebären, Tod, gewirktes Einerlei,
Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei,
Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.

Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand,
Die drohn im Weiten mit gezückter Hand
Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand

Die Irren

I

Papierne Kronen zieren sie. Sie tragen
Holzstöcke aufrecht auf den spitzen Knien.
Und ihre langen, weißen Hemden schlagen
Um ihren Bauch wie Königshermelin.

Ein Volk von Christussen, das leise schwebt
Wie große Schmetterlinge durch die Gänge,
Und das wie große Lilien rankt und klebt
Um ihres Käfigs schmerzliches Gestänge.

Der Abend tritt herein mit roten Sohlen,
Zwei Lichtern gleich entbrennt sein goldner Bart.
In dunklen Winkeln hocken sie verstohlen
Wie Kinder einst, in Dämmerung geschart.

Er leuchtet tief hinein in alle Ecken,
Aus allen Zellen grüßt ihn Lachen froh,
Wenn sie die roten, feisten Zungen blecken
Hinauf zu ihm aus ihres Lagers Stroh.

Dann kriechen sie wie Mäuse eng zusammen
Und schlafen unter leisem Singen ein.
Des fernen Abendrotes rote Flammen
Verglühen sanft auf ihrer Schläfen Pein.

Auf ihrem Schlummer kreist der blaue Mond,
Der langsam durch die stillen Säle fliegt.
Ihr Mund ist schmal, darauf ein Lächeln thront,
Das sich, wie Lotos weiß, im Schatten wiegt.

Bis leise Stimmen tief im Dunkel singen
Vor ihrer Herzen Purpur-Baldachin,
Und aus dem Äthermeer auf roten Schwingen
Träume, wie Sonnen groß, ihr Blut durchziehn.

Noch einmal treten nun wir in die Sonne...

Noch einmal treten nun wir in die Sonne,
Aus goldnem Park und den verschwiegnen Treppen,
Wo Silberwind die hohen Wipfel reißet.

Und stehen an der Brunnen trocknen Lippen,
Und sehen hängend in der lichten Stille
Die braunen Blätter mit den dünnen Rippen.

PARTITURBEISPIEL
 

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PAUL LEONARD SCHÄFFER

Komponist, Dirigent, Pianist

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